Mit ihren geschätzten 100.000 Mitgliedern vor allem in Zentralamerika ist die Mara Salvatrucha eine der größten und gefährlichsten Gangs der Welt. 13 Sekunden dauert das Aufnahmeritual, 13 Sekunden, in denen das neue Mitglied von den anderen Bandenmitgliedern geschlagen und getreten wird. Der zwölfjährige Smiley rekrutiert von Casper, der selbst fast noch ein Teenager ist überlebt das brutale Initiationsritual zerschunden und blutverschmiert. Jetzt darf auch er töten.
Regisseur Cary Joji Fukunaga taucht in seinem Debütfilm in die geschlossene Gesellschaft der Gang ein und verschränkt diesen Erzählstrang mit der Fluchtgeschichte des honduranischen Mädchens Sayra, das gemeinsam mit Vater und Onkel auf einen der Züge aufspringt, die in den Norden Richtung US-amerikanische Grenze fahren. Bei einem Überfall der Mara Salvatrucha auf den Zug wird Sayra fast getötet. Casper rettet sie. Von da an sind Sayra und Casper als Paar wider Willen gemeinsam auf der Flucht. (nach: www.berlinonline.de; www.programmkino.de; www.fr-online.de)
Ein eindrucksvoller Erstling, in dem Fukunaga gekonnt die verschiedenen Genres mixt. So erzählt der Film eine ganz klassische Liebesgeschichte, die in einem packenden Gangster-Thriller eingebettet ist. Überdies ist SIN NOMBRE eine bewegende Immigrantengeschichte in der Erzählform eines Roadmovies. In direkter Tradition des neuen lateinamerikanischen Independent-Kinos, zeigt Fukunaga die raue Wirklichkeit einer kompromisslosen und durch Gewalt geprägten Welt gedreht an Originalschauplätzen in Mexiko. Vergleiche mit AMORES PERROS und CITY OF GOD drängen sich auf und doch ist dieser Film ganz anders. Ein intensives und schonungsloses Regiedebüt voller Poesie. Eindrucksvoll gespielt, wunderschön gefilmt und mit stimmungsvoller Musik untermalt. Eine rundum gelungene Inszenierung. (Gary Rohweder)